Ursberg / 16. Juli 2026 – Eine Mutter ist auf dem Weg zur Bushaltestelle. Sie möchte ihre Tochter von der Schule abholen. Doch die Tochter ist längst erwachsen, die Mutter lebt mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung in einem Pflegeheim. Die eindrucksvolle Szene, die einer realen Begebenheit nachempfunden ist, war Teil einer szenischen Talkshow, die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Ringeisen-Gymnasiums Ursberg im Rahmen eines Theaterprojekts aufgeführt haben. Sie zeigte eindrücklich, wie herausfordernd und zugleich menschlich der Pflegeberuf sein kann.
Die Handlung war in diesem Fall nicht frei erfunden, sondern einer realen Situation aus dem Berufsalltag von Verena Baur nachempfunden. Sie ist Pflegedienstleiterin der Fachpflegeeinrichtung St. Vinzenz von Paul des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg. Im anschließenden Gespräch erläuterte sie den Hintergrund der Szene: „Wichtig ist, Menschen mit Demenz nicht zu widersprechen. Das kann Ängste oder Wut auslösen. Stattdessen versuchen wir, die Menschen mitzunehmen und sie behutsam auf ein anderes Thema zu lenken.“ Grundlage dafür sei die intensive Beschäftigung mit der Biografie eines Menschen. „Wenn wir wissen, was jemandem früher wichtig war, können wir ihn besser verstehen und seinen Alltag trotz der Erkrankung möglichst stressfrei begleiten.“
Im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung hatten sich die Jugendlichen intensiv mit dem Thema Pflege auseinandergesetzt und berührende Alltagsgeschichten aus der Pflege in einem Theaterstück inszeniert. Grundlage für die Szenen waren Interviews mit vier Pflegeexpertinnen aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheits- und Pflegewesens: Pflegedienstleitung Verena Baur, Franziska Riederle, Dozentin an der Berufsfachschule für Pflege und Altenpflege Krumbach, Bianca Hörmann, stellvertretende Pflegedienstleitung der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, sowie Romy Reicherter, Kinderkrankenpflegerin und Pflegespezialistin am Universitätsklinikum Augsburg standen mit Rat und Tat zur Seite.
Bei der Aufführung im Ringeisensaal präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse vor rund 100 Mitschülerinnen und Mitschülern sowie Lehrkräften. Die Szenen griffen typische Situationen aus dem Pflegealltag auf und machten deutlich, wie vielfältig, verantwortungsvoll und menschlich Pflegeberufe sind. Dabei wurde klar: Pflege bietet mittlerweile auch für Abiturientinnen und Abiturienten attraktive Karrierewege. Neben der generalistischen Ausbildung bestehen heute Möglichkeiten für ein duales Studium oder ein Pflegestudium an einer Hochschule. Damit eröffnen sich Perspektiven in Spezialisierung, Beratung, Forschung, Lehre oder Leitungsfunktionen. Im anschließenden Gespräch beantworteten die Expertinnen Fragen zu Ausbildung, Studium und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler durch Jean-Francois Drozak. Der Theaterpädagoge und sein Team touren im Auftrag des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention seit 2020 durch Bayern und vermitteln mit einer „szenischen Talkshow“, was die neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft und das Studium der Pflege ausmacht.